Der Bankenabwicklungsmechanismus – alle Klarheiten beseitigt

RechnungPolitiker reden gerne. Gerne auch lange und viel. Ob alles Gesagte ein schlüssiges Bild ergibt, ist nicht immer wichtig. So habe ich bisher Politiker wahrgenommen. Als ich in der Süddeutschen Zeitung den Artikel Das verrückte Labyrinth gelesen habe, war ich kurz davor, meine Meinung zu ändern. Der Finanzexperte der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold , hat den umstrittenen Bankenabwicklungsmechanismus der EU als Grafik darstellen lassen. Endlich will ein Politiker mich wirklich informieren. Mir etwas Kompliziertes erklären und verständlich machen. Toll! Ich war begeistert.

Meine Begeisterung legte sich, als ich mir die Umsetzung ansah. Die Grafik ist für mich schlichtweg unverständlich. Und somit unbrauchbar. Nein, das stimmt nicht ganz. Ich werde sie als Beispiel verwenden, wie man Prozesse nicht darstellen soll, wenn man Klarheit schaffen will.

In der Grafik wimmelt es von bunten Symbolen. Deren Bedeutung ist nirgends geklärt. Man darf sich selbst etwas ausdenken. Die Verbindungspfade zwischen den Symbolen sind nicht klar. Wann wird welcher Weg begangen? Das Layout ist chaotisch. Eine didaktische Katastrophe. Da da die Grafik keine klaren Aussagen macht, ist inhaltliche Kritik nicht wirklich möglich. Ohne präzise Aussagen werden sich auch Experten hüten, Fehler festzustellen. Was will man mehr?

Aber hübsch ist sie anzuschauen. Bunt, lustig. Und die Kompliziertheit des Vorgangs wird deutlich betont. Genau das Richtige für die Tagespresse. Man darf den Leser ja auch nicht überfordern. Die Rechnung geht somit auf (siehe oben). Die Grafik hat ihr Ziel erreicht (siehe auch Modelle ohne Zweck ergeben keinen Sinn!). Vielleicht ist sie doch nicht so schlecht? Hatte ich nur falsch verstanden, was damit bezweckt wurde?

Solche Grafiken sind auch in Unternehmen häufig zu finden. Oft als PowerPoint-Folien. Sie vermitteln eine trügerische Klarheit. Und sie sind sehr gefährlich. Wenn jeder hineininterpretieren kann, was er will, wird man auch bei unterschiedlichem Verständnis Zustimmung erhalten. Missverständnisse sind vorprogrammiert. Und das wird in der Regel sehr teuer.

Wer sich für gute Visualisierung interessiert, findet hier eine Sammlung von Tipps: General Visualization Guidelines.

Albert Einstein hat einmal gesagt: If I can’t Picture it, I can’t understand it. Bleiben Sie also kritisch, wenn Ihnen mit Grafiken etwas erklärt wird. Wenn Sie nicht verstehen können, was die Grafik aussagen soll, so kann es daran liegen, dass der Ersteller es auch nicht verstanden hat.


Ihnen hat dieser Artikel gefallen?
Dann empfehlen Sie mich in Ihrem Netzwerk weiter. Ich freue mich über neue Leser.
Sie wollen über neue Artikel informiert werden?
Abonnieren Sie einfach meinen Blog und Sie werden per Mail benachrichtigt.
Sie möchten etwas hinzufügen, korrigieren oder bestätigen?
Sie sind herzlich eingeladen, Ihr Feedback als Kommentar zu ergänzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*