Die IT blockiert und liefert nicht das, was gebraucht wird!

Vor einer Woche habe ich unter dieser Überschrift folgenden Artikel in der XING-Gruppe IT-Connection veröffentlicht:
Changeprojekte erfordern von den Teams den Blick über den Tellerrand

Die IT blockiert und liefert nicht das, was gebraucht wird!

Haben Sie solche Sätze auch schon einmal gehört? Leider sind sie im „Business“ Umfeld sozusagen salonfähig geworden. Manchmal kommt es mir so vor, als gehöre es zum Business-Smalltalk über die IT zu schimpfen, genauso wie man über das Wetter redet.

Aber es geht nicht nur der IT so. Der Datenschutz ist auch nicht besser dran. Oder der Betriebsrat. Die Fachbereiche untereinander sind sich auch nicht grün. Überall wo über den eigenen Tellerrand geschaut werden muss, kommt es zu Problemen. Die Welt hinter dem eigenen Tellerrand wird leider immer komplexer.

Schaut man sich die Herausforderungen der Unternehmen an, so wird gerade dieser Blick über den Tellerrand immer wichtiger. Digitale Transformation, Industrie 4.0, neue Arbeitsmodelle wie work@home, alle diese Trends erfordern eine gut funktionierende Zusammenarbeit unterschiedlicher Abteilungen. Die IT ist dabei nur einer der Mitspieler.

Grundsätzliche Problemanalysen helfen nicht wirklich weiter, wenn man als IT-Verantwortlicher ein konkretes Projekt verantwortet. Um das Projekt voran zu bringen gilt es, auf das Umfeld zuzugehen. Dem Umfeld lassen sich keine oder nur eingeschränkt Vorschriften machen. Das Umfeld muss sich einbezogen fühlen, sonst wird es blockieren. Recht zu haben hilft nicht. Das Umfeld muss unterstützt werden, seinen Part im Projekt erfüllen zu können. Auch wenn die individuellen Probleme schwer nachvollziehbar sind.

Wenn ich Unternehmen in solchen Situationen unterstütze setze ich meine Energie darauf, den Blick über den Tellerrand zu erleichtern. Es bringt ein Team schon einen riesen Schritt weiter wenn aufgezeigt ist, wie die unterschiedlichen „Teller“ im Projekt zusammenwirken. Ein weiterer wichtiger Schritt ist es zu verstehen, aus welchem „Weltbild“ heraus jeder einzelne argumentiert. Was nützen Anforderungen an mein Projekt, wenn ich sie in der IT anders verstehe, als sie vom Absender gemeint sind. Evtl. ist dort gar nicht klar, was erwartet wird.

Die Situationen sind jedoch jeweils so individuell wie die beteiligten Personen. Genauso individuell müssen auch die Lösungsansätze sein. Denn es gilt ja nicht „die Welt“ zu retten, sondern das Projekt. Die Maßnahmen müssen für das Projekt angemessen sein. Dann lässt sich schon mit wenig Aufwand viel erreichen.

Das Ganze funktioniert aber nur, wenn der Projekt-Verantwortliche aus der IT sich auch für Dinge jenseits der Grenzen der IT verantwortlich fühlt.

Wie gehen Sie vor? Wie kümmern Sie sich als IT-Manager um die Kollegen außerhalb der IT, die in Ihrem Projekt mitwirken müssen? Wie helfen Sie den Kollegen, nicht an der Komplexität der Projekte zu scheitern?

Mittlerweile haben über 1.400 XING-Mitglieder den Artikel gelesen. Das lag sicher an der Überschrift, die in dieser Gruppe provokant klingen musste. Die Kommentare zu dem Artikel haben mir bestätigt, dass das „Über-den-Tellerrand-schauen“ noch lange nicht selbstverständlich ist. Da ich den Artikel in einer IT-Gruppe gepostet hatte, kam natürlich auch nur Feedback aus der IT-Ecke. Ich bin aber sicher, aus anderen Ecken käme ähnliches Feedback.

Wenn zu viele Köche in der Suppe rumrühren kann keine leckere Suppe entstehen.“ war in einem Kommentar zu lesen. Die Lösung heißt demnach: macht aus den Beteiligten Betroffene, die nehmen müssen, was sie bekommen. Bei Detailentscheidungen, die ein IT-Spezialist mit einzelnen Anwendern abstimmen kann und die keine weitgreifenden Auswirkungen haben, kann das funktionieren. Bei den Herausforderungen, vor denen Unternehmen heute stehen, führt ein solches gedankliches Abschotten innerhalb der Teams jedoch zwangsläufig zum Scheitern. Nur selten lassen sich Menschen ihr Mitspracherecht kampflos nehmen. Wenn man nicht die zugehörige Durchsetzungsmacht hat, können angeblich vollendete Tatsachen sehr teuer werden.

Ein andere Kommentator schimpfte über die jungen Consultants der großen Beratungsfirmen, die den alten IT-Hasen vorgeben wollen, was sie tun sollen, selber aber keine Ahnung vom Tagesgeschäft haben. Diese Konflikte habe ich auch schon erlebt. Auf der einen Seite toll ausgebildete junge Menschen, denen noch niemand beigebracht hat, dass sie das Gelernte mit Bedacht in die Praxis übertragen müssen. Abweichungen vom Lehrbuch müssen nicht wie in der Hochschule negativ bewertet werden. Dahinter können wohl begründete und geniale Lösungen stecken. Auf der anderen Seite gilt für viele Menschen das Motto: das haben wir immer schon so gemacht, warum sollen wir etwas verändern. Oft sind die Ansichten beider Gruppen gar nicht so weit auseinander. Sie könnten viel voneinander lernen. Wenn jedoch der Konflikt ausbricht, werden die Positionen derart konträr. Auch hier sehe ich die Ursache darin, dass keiner versucht über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Die Schatten-IT wurde ebenfalls thematisiert. Und zum Glück hat auch eine Beraterin darauf hingewiesen, dass „die Endkunden, die nicht wissen, was sie wollen oder wenn sie es wissen, nicht in der Lage sind, die Anforderungen klar zu formulieren.“  Das kommt aus Perspektive der IT sehr häufig vor. Hier wäre für mich die Frage wichtig, warum fällt es „den Endkunde“ so schwer und wie kann man ihnen dabei helfen? Leider wurde die Lösung in Prozessen und Kostenrechnungen gesucht. Ich habe nichts gegen Prozesse. Aber Verständnis kann man dadurch alleine nicht erreichen.

Positives Feedback kam vorrangig von XING Mitgliedern, die eine Führungsaufgabe im Unternehmen oder Projekten einnehmen. Ich erkläre mir dies damit, dass sich diese Menschen in ihrem Alltagsgeschäft dem von mir geschilderten Problem nicht entziehen können. Menschen mit Spezialaufgaben ziehen sich hingegen lieber in ihre Komfortzone zurück.

In den komplexen Projekten, die auf die mittelständischen Unternehmen zukommen, wird IT immer eine Rolle spielen. Die IT isoliert zu betrachten wird allerdings immer unwichtiger. Die IT muss mehr für ihr weiteres Umfeld interessieren, da sie nur ein Teil der Veränderungen im Unternehmen ist. Im Gegenzug muss allerdings auch der Rest des Unternehmens auf die IT zugehen und versuchen, deren Belange besser zu verstehen und zu akzeptieren.

Wer will, dass alle kräftig mitrudern, muss alle mit ins Boot nehmen!


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